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Was sind Hämorrhoiden?

Hämorrhoiden sind Gefäßpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Afters gegenüber Gasen und Flüssigkeit dienen. Der Gebrauch des Wortes im Volksmund ist häufig verwirrend, da hiermit eine ähnliche, jedoch vom Hämorrhoidaleiden abzugrenzende Erkrankung mit der Bezeichnung Perianalvenenthrombose (= unechte Hämorrhoiden) (teilweise irrtümlich als „äußere Hämorrhoiden“ bezeichnet) gemeint ist.

Was für Beschwerden machen Hämorrhoiden?

Bei Vergrößerung oder Tiefertreten der hämorrhoidalen Gefäßpolster kann es zu Beschwerden kommen, wobei dann von einem „Hämorrhoidalleiden“ gesprochen wird. Typische Symptome des Hämorrhoidalleidens sind hellroter Blutabgang, Juckreiz, Brennen, Druckgefühl, Hautausschlag und im fortgeschrittenen Stadium Störungen der Stuhlkontinenz (Fähigkeit, Stuhl und Darmwinde sicher zu halten). Schmerzen gehören nicht zum Hämorrhoidalleiden.

Merke:  Hämorrhoiden haben eine wichtige Funktion bei der Feinkontinenz, Sie dürfen nicht komplett entfernt werden!

Grad I
Grad II
Grad III
Grad IV

Welche Ursachen hat das Hämorrhoidalleiden?

Die Ursachen des Hämorrhoidalleidens sind nicht sicher geklärt, eine Rolle spielen wohl ballaststoffarme Kost, langes Sitzen sowie ungünstige Stuhlgewohnheiten (Unterdrückung der Defaekation, starkes Pressen).

Wie wird die Diagnose gestellt?

Hämorrhoiden können mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Deshalb ist vor einer Behandlung eine Untersuchung durch einen Proktologen sinnvoll. Dieser hat genügend Erfahrung, um sicher feststellen zu können, ob es sich um Hämorrhoiden oder um eine Perianalvenenthrombose handelt, ob ein Abszess (eitriger Verhalt), eine Fistel (entzündeter Verbindungsgang zwischen Darm und Haut) oder Fissur (Riss in der Schleimhaut) vorliegt. In der Regel wird die Diagnose mit einer einfachen Untersuchung (Proktoskopie) gestellt

Wie werden Hämorrhoiden behandelt?

Grundsätzlich erfolgt die Behandlung stadienadaptiert. In frühen Stadien der Erkrankung kann eine deutliche Besserung bereits eintreten, wenn auf körpergerechtes Stuhlverhalten und faserreiche Nahrung (Ballaststoffe) umgestellt wird. Effektiver sind kleinere ambulante Prozeduren, um eine Operation zu vermeiden, oder zumindest einige Jahre aufzuschieben. Dazu greifen wir zu folgenden Behandlungsmethoden:

  • Verödung (Sklerosierung nach Blond oder Blanchard): Bei entsprechenden Beschwerden und nur marginal vergrößerten Hämorrhoidalknoten wird eine spezielle Flüssigkeit (Phenolmandelöl oder Ethoxysklerol u. ä.) eingespritzt. Die dadurch verursachte Entzündungsreaktion soll über eine darauf folgende Vernarbung die Hämorrhoiden schrumpfen lassen und die Hämorrhoidalknoten auf der Unterlage fixieren. Das relativ einfache Verfahren verläuft normalerweise völlig schmerzlos. Die Wahrscheinlichkeit für ein erneutes Auftreten nach 1 Jahr ist sehr groß (Rezidivquote bis zu 70%).
  • Gummibandligatur (auch Gummiligatur nach Barron): Der Hämorrhoidalknoten wird angesaugt, durch ein darüber gestülptes Gummiband abgeschnürt(Ligatur) und fällt in der folgenden Woche ab. Selten kommt es zu „Ziehen“ im After, das aber in der Regel nicht behandlungsbedürftig ist. Die Rate an erneut auftretenden Hämorrhoiden nach 1 Jahr ist relativ hoch (Rezidivquote bis zu 20%). Risiken der meist harmlosen Behandlung bestehen bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (eine Medikation mit Macumar muß vorher umgestellt werden) sowie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Fistelbildung).

Operationsverfahren

Klassische Verfahren

Es gibt mehrere recht unterschiedliche, als Hämorrhoidektomie bezeichnete Techniken (Milligan-Morgan, Parks, Ferguson) bei denen die vergrößerte Hämorrhoide an Größe reduziert wird. Die Operationen sind aber erst ab einer bestimmten Größe der Hämorrhoidalknoten sinnvoll.

Alle Verfahren werden unter Rückenmarks- oder Vollnarkose durchgeführt und erfordern in der Regel eine stationäre Behandlung von 1-3 Tagen. Eine Heilzeit von mehreren Wochen verläuft vor allem bei Verfahren mit offener Wundheilung  (Miligan-Morgan) manchmal schmerzhaft.

Wir führen daher bei Hämorrhoiden 3. und 4. Grades eine modifizierte OP nach Ferguson durch, bei der die schmerzempfindliche Analhaut geschont wird. Fälle von Wundheilungsstörungen oder stärkeren Schmerzen nach der Operation sind so sehr selten.

Moderne Verfahren

Ein wenig schmerzhaftes, geschlossenes Verfahren, bei dem unter Anwendung eines speziellen Operationsgeräts (Stapler) die Analhaut „geliftet“ wird ist die Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo. Wir verwenden die Technik bei Hämorrhoiden des 3. Grades und insbesondere einem Vorfall der Analhaut (Analprolaps). Der Krankenhausaufenthalt beträgt in der Regel 1-2 Tage.

Risiken und Komplikationen der operativen Behandlung

Selten sind

  • Postoperative Blutungen und Schmerzen

Sehr selten sind

  • In seltenen Fällen verengt sich durch Narbengewebe der Anus, was den Stuhlabgang erschweren könnte. Diese Schließmuskelenge (Anal-Stenose) kann vorübergehend oder anhaltend sein.
  • Die Operation kann auch die Kontrolle des Stuhlgangs beeinträchtigen. Dieses Problem ist in der Regel zeitlich begrenzt und verbessert sich mit der Zeit.
  • Es können sich später erneut vergrößerte Hämorrhoiden bilden (Rezidiv).

Merke: Operationen der Hämorrhoiden sind sicher und effektiv, sie sind aber erst ab einer bestimmten Größe der Hämorrhoidalknoten sinnvoll.

Hinweise

Vor der Operation

Gerinnungshemmende Arzneimittel müssen vor und nach dem Eingriff für einen bestimmten Zeitraum weggelassen werden, dies betrifft z.B. Aspirin® und Marcumar®.
Bevor die Operation durchgeführt wird, erfolgt eine Darmreinigung in Form eines Einlaufs (Klistier). 

Nach der Operation

Sitzbäder mit Meersalz oder ein Ausduschen des Analbereichs, vor allem nach dem Stuhlgang, aber auch im normalen Tagesablauf, unterstützen die Heilung. Auch auf Dauer sollte verstärkt auf Hygiene im Afterbereich geachtet werden. Mittel zur Stuhlregulierung (z.B.Flohsamen) können die Beschwerden beim Stuhlgang mindern, sollten jedoch zurückhaltend eingenommen werden. Ballaststoffe können den Kot ebenfalls weicher machen.

 


Prognose

Die Beschwerden bei Hämorrhoiden 3. und 4, Grades bilden sich nach den beschriebenen Operationen in der Regel vollständig zurück.

Universitätsklinikum Würzburg
Chirurgische Klinik & Poliklinik
Zentrum Operative Medizin
Oberdürrbacher Str. 6
D-97080 Würzburg
Zentrales Patientenmanagement:
Tel: (0931) 201 39999

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Email: zpm@chirurgie.uni-wuerzburg.de